von rhoenfotograf am 13 Mär 2010 09:26
176 Erinnerungen an Baldur.
Wasser lechzt, einen Quell hervorzauberte; dafs sein Rofs
die Quelle aus dem Boden schlägt, hat er vergessen oder
unterdrückt, aber von Karls des Grofsen Pferd hat die Sage
dies Mirakel in echter Gestalt erhalten. Wenn wir die in
Deutschland so vielfach vorkommenden Baiderbrunnen in
Betracht ziehen, können wir nicht daran zweifeln, dafs man
in heidnischer Zeit dfie geschätztesten Quellen und Brunnen
auf Baldur zurückführte, und unser Märchen läfst uns in
Verbindung mit der indisch - griechischen Überlieferung Ur-
sprung und Bedeutung genugsam erkennen. Dafs man aber
Quellen, die der Lichtgott Baldur ins Leben gerufen haben
sollte, fär besonders heilig hielt, kann uns ebensowenig wun-
dern, wie dafs man ihrem Wasser verjüngende oder heilende
Kraft zuschrieb, da ja Baldur als Wiederbringer des Lichtes
der allgemeine Verjiinger des Himmels und der Erde war,
ein Heilspender für alle Nöten und Leiden. Auf Helgoland,
das ehedem nach Baldurs Sohne Fositesland hiefs, war eine
h. Baldurquelle, aus der nur schweigend geschöpft werden
durfte. Auf einem Berge in Franken quillt ein Brunnen,
wobei ein vornehmes adliges Geschlecht sein Stammhaus
hat. Das ganze Jahr über hat er schönes, lauteres über-
flüssiges Wasser, das nicht ^eher aufhört, als wenn jemand
aus dem Geschlechte sterben soll: dann vertrocknet der
Brunnen auf eine Zeit. (Grimm, Sagen Nr. 103.)^)